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Aktuelles aus der Diakonie

10.12.2014 14:47 Alter: 3 yrs

„Agieren im Nebel" - Fachaustausch über Menschenhandel


Menschenhandel beschreibt in Deutschland die Einschränkung der persönlichen Freiheit eines anderen Menschen durch Mittel wie Zwang, Täuschung, psychische oder physische Gewalt, um den betroffenen Menschen dadurch zum eigenen Vorteil auszubeuten. Das deutsche Strafrecht kennt dabei die beiden Zwecke der sexuellen Ausbeutung und der Arbeitsausbeutung. Internationale Konventionen fordern zuzüglich die Aufnahme weiterer Ausbeutungszwecke wie Menschenhandel zum Zwecke der Organentnahme, zum Zwecke der Ausbeutung durch Zwang zu strafbaren Handlungen (Diebstahl, Raubüberfälle, Einbrüche) oder Bettelei. Deutschland steht dabei in einer vertraglichen, geschichtlichen und moralischen Verantwortung Betroffene von Menschenhandel zu identifizieren und sofortigen Schutz sowie Hilfsleistungen zu garantieren. Identifizierten Opfern von Menschenhandel stehen dabei gesetzliche und institutionelle Sonderregelungen zu.

Obwohl der Gesetzgeber der Praxis mit der Einführung des Straftatbestandes §233 StGB im Jahre 2005 ein mächtiges strafrechtliches Instrument gegen Arbeitsausbeutung und Menschenhandel an die Hand gegeben hat, findet dieses in der gesamtdeutschen Realität nahezu keine Anwendung. So weist das Bundelagebild Menschenhandel des Bundeskriminalamtes für 2012 lediglich elf Ermittlungsverfahren mit vierzehn potentiellen Menschenhandelsopfern im Bereich der Arbeitsausbeutung aus. Die statistische Bedeutungslosigkeit hat mehrere Gründe, wobei neben der schweren Beweisbarkeit des Strafrechtsparagraphen und der mangelnden Anzeigen- und Aussagebereitschaft der Betroffenen wohl vor allem die Unsicherheit über die Einordnung einer Ausbeutungssituation als Menschenhandel gehört. Der entsprechende Strafrechtsparagraph benennt unter anderem unangemessene Arbeitsverhältnisse die unter Ausnutzung einer Zwangslage herbeigeführt worden als Menschenhandel. Eine genaue Abgrenzung, etwa durch Beispiele oder Indikatoren nennt der Gesetzestext jedoch nicht und überlässt es vielmehr der Praxis eine sinnvolle Einstufung von Menschenhandelsfällen vorzunehmen.

Menschenhandel muss keinen Grenzübertritt beinhalten und kann daher auch deutsche Opfer hervorbringen, was im Bereich der sexuellen Ausbeutung auch oft vorkommt. Im Bereich der Arbeitsausbeutung ist die Dunkelziffer sehr groß, bei den bekannt gewordenen Fällen waren jedoch ausschließlich Menschen betroffen, deren auslandsspezifische Hilflosigkeit (Unkenntnis über Arbeitsrechte- und Normen, fehlende oder befristete Arbeits- oder Aufenthaltserlaubnis, fehlende Sprach- und Ortskenntnisse, Armut im Herkunftsland...) ausgenutzt wurde.
 
Der Unterstützungsbedarf der Opfer von Menschenhandel zur Arbeitsausbeutung variiert in jedem Einzelfall. Eine Unterkunft, Sozialleistungen, psychosoziale Betreuung, medizinische Versorgung, aufenthaltsrechtliche sowie arbeits- und sozialrechtliche Beratung, Migrationsberatung, kostenlose anwaltliche Unterstützung, Hilfe bei der Durchsetzung von Lohnansprüchen, Vermittlung in den Arbeitsmarkt oder Weiterbildungsmaßnahmen sowie Informationen über den Verlauf eines Strafverfahrens gegen die Täterinnen und Täter können benötigt werden. Für eine effektive Strafverfolgung brauchen die Behörden dazu Zeugenaussagen und Hintergrundinformationen zu den Arbeitsbedingungen. Diese sind in Kooperation mit Beratungsstellen leichter zu bekommen. Eine enge Kooperation zwischen unterschiedlichen staatlichen und nicht staatlichen Akteuren ist deshalb wichtig.

„Agieren im Nebel - Menschenhandel zum Zwecke der Arbeitsausbeutung - Problemanalyse und Handlungsoptionen", so hieß ein Austausch zwischen Fachkräften in Dortmund am 9.12.2014 im Reinoldinum.

Ziel der Veranstaltung war es daher, eine institutionenübergreifende Relevanzeinstufung der Thematik in Dortmund zu erarbeiten, um darauf aufbauend möglichst konkrete Absprachen, Verfahrensabläufe und Ansprechpartner zu initialisieren. Durch den Austausch sollen Synergieeffekte nutzbar gemacht werden, um Betroffene zu identifizieren und bestmöglich betreuen zu können.

Über 30 Teilnehmende aus unterschiedlichen sozialen Einrichtungen in Dortmund dokumentieren die Brisanz des Themas. Alle Teilnehmer vereinbarten, sich künftig regelmäßig zum Informationsaustausch zu treffen.

 10.12.2014/US